Studien & Forschung – Die Wissenschaft hinter unseren Bewertungen
Wir bewerten Nahrungsergänzungsmittel nicht nach Bauchgefühl. Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen, welche wissenschaftlichen Quellen wir nutzen, wie wir Evidenz gewichten und warum das für Ihre Kaufentscheidung wichtig ist.
Warum evidenzbasierte Bewertungen unverzichtbar sind
Wer im Internet nach Nahrungsergänzungsmitteln sucht, findet vor allem eines: Meinungen. Influencer empfehlen Produkte, weil sie dafür bezahlt werden. Hersteller zitieren Studien, die sie selbst in Auftrag gegeben haben. Und in Gesundheitsforen teilen Laien Erfahrungsberichte, die weder überprüfbar noch verallgemeinerbar sind.
Das Problem: Zwischen einer einzelnen Kundenbewertung auf Amazon und einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 500 Teilnehmern liegt ein wissenschaftlicher Ozean. Beide Informationsquellen lassen sich online gleich leicht finden – doch ihr Aussagewert könnte unterschiedlicher nicht sein.
Evidenzbasierte Bewertung bedeutet für uns, dass wir die Spreu vom Weizen trennen. Wir unterscheiden systematisch zwischen hochwertiger und minderwertiger Evidenz. Wir bevorzugen große, unabhängige Studien gegenüber kleinen, herstellerfinanzierten Untersuchungen. Wir suchen nach Metaanalysen, die Einzelstudien zusammenfassen und ein verlässlicheres Gesamtbild liefern. Und wenn die Studienlage für einen bestimmten Wirkstoff schlicht nicht ausreicht, sagen wir genau das.
Dieser Ansatz kostet Zeit. Eine einzelne Produktbewertung erfordert manchmal die Auswertung von zehn oder mehr Einzelstudien. Aber wir sind überzeugt: Nur so können wir Ihnen Informationen liefern, auf die Sie sich tatsächlich verlassen können.
Auf dieser Seite legen wir offen, wie genau wir arbeiten: welche Datenbanken wir nutzen, wie wir die Qualität von Studien einschätzen und anhand welcher Kriterien wir entscheiden, ob ein Wirkstoff als „wirksam“, „möglicherweise wirksam“ oder „nicht ausreichend belegt“ eingestuft wird.
Die Evidenzpyramide: Wie wir Studienqualität einordnen
Nicht jede Studie ist gleich viel wert. In der Wissenschaft gibt es eine klare Hierarchie der Erkenntnisgewinnung. Wir nutzen die international anerkannte Evidenzpyramide, um jeder Informationsquelle das richtige Gewicht beizumessen – von der höchsten bis zur niedrigsten Beweiskraft:
Stufe 1 – Systematische Reviews & Metaanalysen
Die Goldstandards der Evidenz. Sie fassen Ergebnisse mehrerer hochwertiger Einzelstudien statistisch zusammen und liefern das verlässlichste Gesamtbild. Wenn eine Metaanalyse zu einem Wirkstoff vorliegt, bildet sie die Grundlage unserer Bewertung.
Stufe 2 – Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)
Teilnehmer werden zufällig in Verum- und Placebogruppe eingeteilt. Doppelblinde RCTs mit ausreichender Stichprobe sind der Standard, an dem wir Einzelstudien messen. Wir achten besonders auf: Teilnehmerzahl, Studiendauer und mögliche Interessenkonflikte.
Stufe 3 – Kontrollierte klinische Studien (ohne Randomisierung)
Studien mit Kontrollgruppe, aber ohne zufällige Zuteilung. Sie liefern nützliche Hinweise, sind aber anfälliger für Verzerrungen (Bias) als RCTs.
Stufe 4 – Kohorten- und Beobachtungsstudien
Große Beobachtungsstudien können Zusammenhänge aufzeigen, belegen aber keine Kausalität. Wir nutzen sie als ergänzende Hinweise, nie als alleinige Grundlage einer Bewertung.
Stufe 5 – Fallberichte & Fallserien
Beschreibungen einzelner Fälle oder kleiner Gruppen. Sie können Hypothesen generieren, haben aber die geringste Aussagekraft unter den klinischen Studien.
Stufe 6 – Expertenmeinungen & Herstellerangaben
Die niedrigste Stufe der Evidenzhierarchie. Herstellerangaben ohne Studienbelege, Influencer-Empfehlungen und traditionelle Anwendungsberichte ordnen wir hier ein. Sie fließen nicht in unsere Wirksamkeitsbewertung ein.
Wichtig: Eine einzelne Studie – und sei sie noch so prominent – reicht für eine positive Wirksamkeitsbewertung nicht aus. Wir suchen immer nach der Gesamtheit der Evidenz. Erst wenn mehrere unabhängige Studien hoher Qualität zu ähnlichen Ergebnissen kommen, stufen wir einen Wirkstoff als „wirksam“ ein.
Die Datenbanken und Quellen, die wir nutzen
Unsere Recherche beginnt nicht bei Google, sondern in spezialisierten wissenschaftlichen Datenbanken. Die folgenden fünf Quellen bilden das Rückgrat jeder Produktbewertung:
PubMed / MEDLINE
Die weltweit größte biomedizinische Literaturdatenbank mit über 36 Millionen Einträgen. Betrieben von der U.S. National Library of Medicine. Hier recherchieren wir Einzelstudien, Reviews und Metaanalysen zu jedem Wirkstoff, den wir bewerten.
Cochrane Library
Cochrane Reviews gelten als der höchste Standard für systematische Übersichtsarbeiten in der Medizin. Die Cochrane Collaboration arbeitet unabhängig und ohne Industrieeinfluss. Wenn ein Cochrane Review zu einem Wirkstoff existiert, ist er unsere erste Anlaufstelle.
EFSA – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
Die EFSA bewertet Health Claims – also Gesundheitsaussagen, die Hersteller über ihre Produkte machen dürfen. Ihre Gutachten zeigen, welche Wirkversprechen wissenschaftlich belegt und in der EU zugelassen sind – und welche nicht. Für uns ein unverzichtbares Werkzeug, um Marketingaussagen einzuordnen.
BfR – Bundesinstitut für Risikobewertung
Das BfR veröffentlicht Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Wir nutzen diese Empfehlungen, um zu prüfen, ob ein Produkt innerhalb sicherer Dosierungsgrenzen liegt – oder ob ein Überdosierungsrisiko besteht.
Examine.com
Eine unabhängige Plattform, die Forschungsergebnisse zu Supplementen und Ernährung zusammenfasst. Examine finanziert sich ohne Herstellerwerbung und bietet einen guten ersten Überblick über die Studienlage zu einzelnen Wirkstoffen. Wir nutzen Examine als ergänzende Referenz, nicht als Primärquelle.
Praxisbeispiel: Eine Studie zu Glucomannan und Gewichtsreduktion
Um unseren Bewertungsprozess anschaulich zu machen, zeigen wir hier exemplarisch, wie wir eine Studie zu einem beliebten Abnehmwirkstoff auswerten. Glucomannan ist ein Ballaststoff aus der Konjakwurzel, der in vielen Abnehm-Supplements enthalten ist. Die EFSA hat einen Health Claim für Glucomannan zugelassen – doch was sagt die Forschung tatsächlich?
Schritt 1 – Studienidentifikation
Studie: „Effect of glucomannan on body weight in overweight and obese adults: a systematic review and meta-analysis“
Autoren: Keithley JK, Swanson B, Mikolaitis SL et al.
Quelle: Journal of the American College of Nutrition, 2013
PubMed-ID: PMID 24535882
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (Evidenzstufe 1)
Schritt 2 – Was wurde untersucht?
Die Metaanalyse fasste die Ergebnisse von 9 randomisierten kontrollierten Studien zusammen, in denen übergewichtige oder adipöse Erwachsene Glucomannan als Supplement erhielten. Die Kontrollgruppen erhielten ein Placebo. Die Studiendauer lag zwischen 3 und 16 Wochen, die Tagesdosis Glucomannan zwischen 1 und 4 Gramm.
Schritt 3 – Kernergebnisse
Die Metaanalyse ergab eine statistisch signifikante, aber klinisch moderate Gewichtsreduktion in der Glucomannan-Gruppe. Der durchschnittliche Gewichtsverlust lag bei etwa 0,8 kg mehr als in der Placebogruppe. Die Effekte waren bei höheren Dosierungen (3–4 g/Tag) und längerer Einnahmedauer stärker ausgeprägt.
Schritt 4 – Unsere Einordnung
Die Evidenzlage für Glucomannan ist solide: Es liegt eine Metaanalyse mit mehreren RCTs vor. Allerdings ist der beobachtete Effekt gering – 0,8 kg zusätzlicher Gewichtsverlust in einigen Wochen sind kein Gamechanger. Außerdem war die Heterogenität zwischen den Studien hoch, und einige waren methodisch eingeschränkt (kurze Dauer, kleine Stichproben).
Schritt 5 – Was bedeutet das für unsere Produktbewertung?
Glucomannan-Produkte erhalten von uns die Einstufung „Wirksamkeit: mäßige Evidenz“. Der EFSA-Health-Claim ist berechtigt, aber der reale Effekt ist bescheiden. In unseren Produktbewertungen weisen wir darauf hin, dass Glucomannan eine ergänzende Maßnahme sein kann – aber keine Alternative zu einer kalorienreduzierten Ernährung und Bewegung.
Wie wir Wirksamkeit einstufen
Basierend auf der verfügbaren Evidenz ordnen wir jeden Wirkstoff in eine von vier Kategorien ein. Diese Einstufung finden Sie auf jeder Produktseite als farblich markiertes Badge:
Starke Evidenz
Mehrere hochwertige Studien (RCTs, Metaanalysen) zeigen einen konsistenten, klinisch relevanten Effekt. Der Wirkstoff hat einen zugelassenen EFSA-Health-Claim mit aussagekräftiger Datenbasis.
Mäßige Evidenz
Es liegen mehrere Studien vor, die einen Effekt nahelegen. Allerdings gibt es Einschränkungen: kleine Stichproben, kurze Studiendauer, heterogene Ergebnisse oder fehlende Replikation.
Schwache Evidenz
Nur wenige, meist kleinere Studien deuten auf einen möglichen Effekt hin. Die Datenlage reicht nicht aus, um den Wirkstoff als „wirksam“ einzustufen. Weitere Forschung ist erforderlich.
Keine ausreichende Evidenz
Es liegen keine oder nur qualitativ unzureichende Studien vor. Der beworbene Effekt ist wissenschaftlich nicht belegt. Hierunter fallen auch Wirkstoffe, deren Health Claims von der EFSA abgelehnt wurden.
Wie wir unsere Bewertungen aktuell halten
Wissenschaft steht nicht still. Neue Studien können bestehende Einschätzungen bestätigen, ergänzen oder fundamental verändern. Deshalb verfolgen wir einen systematischen Aktualisierungsprozess:
Halbjährliche Überprüfung: Jede Produktbewertung wird spätestens sechs Monate nach Veröffentlichung auf neue Studienergebnisse geprüft. Das Datum der letzten Prüfung finden Sie am Anfang jedes Artikels.
Laufendes Monitoring: Für besonders dynamische Forschungsfelder – etwa Probiotika oder Vitamin D – richten wir PubMed-Alerts ein, die uns automatisch über neue Publikationen benachrichtigen.
Transparente Änderungen: Wenn wir eine Bewertung aufgrund neuer Evidenz ändern, dokumentieren wir dies mit einem Hinweis am Artikelanfang: „Aktualisiert am [Datum] – Grund: Neue Metaanalyse zu [Wirkstoff] berücksichtigt.“
Leserhinweise willkommen: Sie kennen eine relevante Studie, die wir möglicherweise übersehen haben? Wir freuen uns über fachliche Hinweise. Nutzen Sie dafür unser Kontaktformular oder schreiben Sie direkt an unsere Redaktion.
Häufige Fragen zu unserer wissenschaftlichen Methodik
Warum nutzt ihr nicht einfach die Sternebewertungen auf Amazon?
Amazon-Bewertungen spiegeln subjektive Kundenerfahrungen wider, keine wissenschaftliche Evidenz. Ein Produkt kann hunderte Fünf-Sterne-Bewertungen haben, obwohl der enthaltene Wirkstoff in keiner klinischen Studie eine signifikante Wirkung gezeigt hat. Kundenbewertungen unterliegen dem Placeboeffekt, können gefälscht sein und sind statistisch nicht repräsentativ. Deshalb ersetzen sie keine systematische Studienauswertung.
Was bedeutet es, wenn ein Wirkstoff einen EFSA-Health-Claim hat?
Die EU-Health-Claims-Verordnung regelt, welche Gesundheitsaussagen Hersteller über Lebensmittel und NEM machen dürfen. Wenn die EFSA einen Health Claim genehmigt hat, bedeutet das: Die Behörde hat die eingereichte Evidenz geprüft und als ausreichend bewertet. Allerdings heißt das nicht automatisch, dass der Effekt klinisch bedeutsam ist. Ein zugelassener Claim besagt nur, dass der Zusammenhang wissenschaftlich belegt ist – nicht, wie groß der Effekt in der Praxis ausfällt.
Kann eine herstellerfinanzierte Studie trotzdem aussagekräftig sein?
Ja, aber wir behandeln sie mit erhöhter Vorsicht. Herstellerfinanzierte Studien können methodisch einwandfrei sein – sind es aber nachweislich seltener als unabhängig finanzierte Forschung. Studien haben gezeigt, dass industriegesponsorte Untersuchungen häufiger positive Ergebnisse liefern als unabhängige. Wir kennzeichnen die Finanzierungsquelle in unseren Auswertungen und gewichten herstellerfinanzierte Studien geringer, wenn unabhängige Alternativen vorliegen.
Wie oft ändert ihr eine bestehende Bewertung?
So oft wie nötig, so selten wie möglich. Bei den meisten Wirkstoffen ändert sich die Evidenzlage nur langsam. Größere Anpassungen erfolgen typischerweise, wenn eine neue Metaanalyse veröffentlicht wird, die bestehende Einzelstudien zusammenfasst – oder wenn die EFSA ihre Bewertung eines Health Claims aktualisiert. Jede Änderung wird transparent dokumentiert.
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